Er schwebt vor mir, im stillen Wasser hinter Glas.
Ein blauer Buntbarsch, kaum größer als eine Streichholzschachtel, doch von einer Gegenwart, die größer ist als der Raum. Sein Blau atmet, tief, langsam, wie ein Herz, das sich erinnert.
Ich bin hier, um zu lernen, wieder zu werden. Tag für Tag, Bewegung für Bewegung. Und während andere ihre Schritte zählen, zähle ich Augenblicke – solche wie diesen.
Er kommt näher, prüfend, nicht scheu.
Ich spüre seine Wachheit, das leise Vibrieren seines Körpers, als spräche er in einer Sprache, die nur das Wasser kennt.
In seinem Blick liegt etwas, das mich hält: Nicht Mitleid, sondern Anerkennung.
Als wüsste er, dass auch ich durch unsichtbare Strömungen schwimme, gegen Müdigkeit, gegen das Gewicht von Tagen. Gegen Diagnosen.
„Wie machst du das?“ frage ich. „Dieses Gleichgewicht zwischen Stille und Bewegung?“
Seine Flosse zuckt, ein kaum wahrnehmbares Beben, dann wendet er sich – eine einzige, vollkommene Drehung.
Im Wirbel seines Schwimmens sehe ich, was Heilung sein könnte:
Nicht das Zurück, sondern das sanfte Weiter.
Ein Einverständnis mit dem Wasser, mit der Grenze, mit dem Atem.
Er bleibt noch einen Moment vor mir, unbewegt, dann sinkt er tiefer in sein Blau.
Ich bleibe stehen, bis mein eigener Atem ruhiger wird.
Und zum ersten Mal seit Langem denke ich:
Vielleicht heilt man, wenn man aufhört, sich zu wehren.