Änderung gewollt


Ich steige also willentlich aus aus meinem aktuellen Alltag – für eine Zeit. Nur hoffentlich fragen die mich nicht, was ich mir noch so vorstelle für mein weiteres Leben. Sie würden dann in ein fragendes Gesicht schauen. Auf ein Hirn dahinter, das sich gerade gedanklich damit trägt, doch das angefangene Projekt zum neuen Buch fertig zu stellen.

Chamäleon


 Ich war ein Chamäleon der Extraklasse, wie auch er eines war, ein Chamäleon. Er passte sich an an die Menschen, er sah sie, er erkannte sie. Manchmal war er mir in seiner Analyse schon unheimlich, wie sehr er mich durchschaut hatte. Dieses ungeschminckte Gesehenwerden. Würden wir das miteinander teilen, sie und ich unter seiner Linse?

Auf´s Ohr

Lokale Autorinnen und Autoren lesen in der Stadtbibliothek Gütersloh. Ich bin dabei mit meinem Buch „Als die Demenz bei uns einzog und ich mir einen Roboter wünschte“.

So aktuell.

blaue Flosse

Er schwebt vor mir, im stillen Wasser hinter Glas.
Ein blauer Buntbarsch, kaum größer als eine Streichholzschachtel, doch von einer Gegenwart, die größer ist als der Raum. Sein Blau atmet, tief, langsam, wie ein Herz, das sich erinnert.

Ich bin hier, um zu lernen, wieder zu werden. Tag für Tag, Bewegung für Bewegung. Und während andere ihre Schritte zählen, zähle ich Augenblicke – solche wie diesen.

Er kommt näher, prüfend, nicht scheu.
Ich spüre seine Wachheit, das leise Vibrieren seines Körpers, als spräche er in einer Sprache, die nur das Wasser kennt.
In seinem Blick liegt etwas, das mich hält: Nicht Mitleid, sondern Anerkennung.
Als wüsste er, dass auch ich durch unsichtbare Strömungen schwimme, gegen Müdigkeit, gegen das Gewicht von Tagen. Gegen Diagnosen.

„Wie machst du das?“ frage ich. „Dieses Gleichgewicht zwischen Stille und Bewegung?“
Seine Flosse zuckt, ein kaum wahrnehmbares Beben, dann wendet er sich – eine einzige, vollkommene Drehung.
Im Wirbel seines Schwimmens sehe ich, was Heilung sein könnte:
Nicht das Zurück, sondern das sanfte Weiter.
Ein Einverständnis mit dem Wasser, mit der Grenze, mit dem Atem.

Er bleibt noch einen Moment vor mir, unbewegt, dann sinkt er tiefer in sein Blau.
Ich bleibe stehen, bis mein eigener Atem ruhiger wird.
Und zum ersten Mal seit Langem denke ich:
Vielleicht heilt man, wenn man aufhört, sich zu wehren.